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Unsere Kirche in Warburg

Ein baugeschichtlicher Rückblick

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So entnehmen wir dem alten Lagerbuch der Kirchengemeinde, wenn uns etwas über den Standort der evangelischen Kirche in Warburg gesagt werden möchte.

Das Gotteshaus war einmal die erste Kirche der Warburger Altstadt; etwa um 1200 unserer Zeitrechnung erbaut. Bischof Otto vom Rietberg von Paderborn schenkte die Kirche 1283 dem Dominikanerorden, der zwei Jahre vorher hier in der Warburger Altstadt eine Niederlassung gegründet hatte. Aus geschichtlichen Berichten weiß man, daß die Altstädter über diese Schenkung sehr unwillig waren, ja, es gab sogar einen förmlichen Sturm gegen das Kloster. In einer Chronik der Kirche heißt es: „Man zog eines Tages die Sturmglocken, rief die Bürgerschaft zusammen und jagte die Mönche aus Kloster, Kirche und Stadt.“ Erst als der Bischof den Altstädtern mit empfindlichen Strafen drohte und eine Exkommunikation dabei nicht ausschloß, beruhigten sich die Gemüter. Darüber hinaus versprach er dann auch Hilfe beim Bau einer eigenen Kirche.

Vom Baustil her lassen sich am Gebäude allein drei Bauperioden unterscheiden. Der älteste Teil ist das Mittelschiff mit dem nördlichen Seitenschiff, beide im rein romanischen Stil erbaut. Anfang des 14. Jahrhunderts setzten die Mönche vor das romanische Langhaus ein hohes gotisches Chor. Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte dann noch die dritte Erweiterung durch ein niedriger gelegenes Schiff zu beiden Seiten, deren Fenster flache Stichbögen mit gotischem Maßwerk zeigen. So besteht also unsere Kirche aus einem Mittelschiff, einem südlichen und zwei nördlichen Seitenschiffen und dem hohen gotischen Chor. Die kleine Vorhalle stammt aus der Zeit um 1500.

Erwähnenswert ist an der östlichen Stirnwand der Hochaltar, eine Stiftung des Paderborner Bischofs Ferdinand II. von Fürstenberg aus dem Jahre 1665. Dieser Altar zeigt in der Mitte das Bild von Maria Himmelfahrt. Zu beiden Seiten sieht man die überlebensgroßen Statuen des Bischofs Liborius und des Hl. Meinulf, über dem Bild erkennt man das bischöfliche Wappen mit den beiden Kreuzen. Im Rundbild darüber ist Gottvater mit der Taube in den Wolken und als Krönung die Statue des Erlösers dargestellt.

Wenngleich auch dieser Hochaltar nicht der Ausschmückung einer evangelischen Kirche entspricht, so gebietet es doch christliche Toleranz, ihn zu erhalten und möglichst bald einer Restaurierung zu unterziehen.

Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1810 durch König Jerome, dem Bruder Napoleons I., wurde das Gotteshaus durch Königliche Kabinettsorder Friedrich Wilhelms des III. vom 21.12. 1824 der evangelischen Gemeinde als Eigentum überwiesen. Dabei wurde die Mitbenutzung für die Schülergottesdienste des katholischen Progymnasiums und jetzigen Gymnasiums Marianum als Rechtsnachfolger der früheren Lateinschule, die von den Klosterpatres geleitet worden war, vertraglich gesichert. Die evangelische Gemeinde richtete dann das Gotteshaus als evangelische Kirche her und entfernte die Nebenaltäre und sonstige der katholischen Glaubensauffassung entsprechende Einrichtungen. Eine Restaurierung erfuhr die Kirche in den Jahren 1892 bis 1894. Altar und Kanzel wurden erneuert und 1895 an Stelle der kleinen barocken Dachhaube der größere neugotische Dachreiter aufgesetzt.

Der besondere Schmuck der Kirche, die wertvolle Barockorgel aus dem Jahre 1735, ist in den Tagen des Zusammenbruchs am 22. April 1945 von russischen Soldaten, die im Gymnasium untergebracht waren, mutwillig angezündet und dadurch völlig zerstört worden. Durch besonderen Einsatz des damaligen Pfarrers Cremer und großer Spendenfreudigkeit auch katholischer Bürger, konnte am Sonntag Exaudi des Jahres 1947 dem 18. Mai, in feierlichem Gottesdienst eine neue Orgel eingeweiht werden. Sie war von der Orgelbaufirma Euler, Hofgeismar, mit Gesamtkosten von 30 000 RM erbaut worden.

In den Jahren 1964 - 1968 erfuhr unsere Kirche eine gründliche Restaurierung. Der Innenraum wurde umgestaltet, indem die Orgelempore entfernt, der Fußboden ausgehoben und gegen aufsteigende Feuchtigkeit mit einer Trockenverschüttung versehen wurde. Gleichzeitig erhielt die Kirche eine Warmluft-Umlaufheizung. Beim Ausgraben der Heizungsschächte fand man viele Skelettknochen früherer Beisetzungen. Diese wurden in drei Kisten aufgenommen und wieder eingemauert.

Im Mittelraum erhielt die Kirche einen Holzparkettboden und neues Gestühl, einmal in Form von Bänken aus Spessarteiche und für die Seitenschiffe zum anderen gute Stühle mit Binsengeflecht. Die ehemalige Sakristei ist heute eine würdige Kapelle, die für die evangelischen Schüler des Marianums zum Schulgottesdienst genutzt wird und alljährlich der Gemeinde in der Passionszeit Raum für ihre Andachten gibt. Der Versuch, frühere Ausmalungen freizulegen und zu restaurieren, ist nur zu einem ganz bescheidenen Teil gelungen.

Mit besonderer Freude und Dankbarkeit hat die Gemeinde am 13. Juni 1971 der Einweihung einer neuen Orgel beiwohnen dürfen. Die Orgel wurde von der Orgelbaufirma Ott aus Göttingen mit Gesamtkosten von ca. 125 000 DM erbaut.

Im Jahre 1974 ist es dann auch gelungen, den 12 Apostelfiguren einen würdigen Platz im Kirchenschiff zu geben und die Verantwortlichen in der Kirchenleitung zu ermutigen, einem oft geäußerten Wunsch zu folgen, die evangelische Kirche in Warburg Apostelkirche zu benennen.

Quelle: Festschrift der EK Warburg, 1976