©Neue Westfälische Zeitung Mo. 2. Januar 2012
VON DIETER SCHOLZ
Warburger Land. Mit Glockengeläut, aufblitzenden Raketen und krachenden Donnerschlägen begrüßten in der Silvesternacht die Warburger das Neue Jahr. Rund 800 Party-Gänger feierten in der Warburger Stadthalle mit DJ Bollo unter fiebrig-bunten Disco-Kugeln. Im 430-Seelen-Dorf Herlinghausen hatte Presbyter Gottfried Gröschell bereits einige Stunden zuvor das Licht angeknipst.
Früher als erwartet war die neue Außenbeleuchtung der zwischen 1252 und 1329 erbauten heutigen evangelischen Kirche im Ort fertig geworden. Am Silvesterabend waren die Herlinghäuser nach einer Andacht eingeladen, sich die neue Anlage anzusehen und darauf miteinander anzustoßen. Schützenvereinsvorsitzender Michael Sauerland hatte die Initiative ergriffen, den romanischen Sakralbau abends ins rechte Licht zu setzen. Unterstützung fand er in allen Vereinen des Ortes. Schützen und Feuerwehrleute, Sportler und die Vertreter des Hallenfördervereins packten kräftig mit an. „Jetzt ist die Kirche schon von Weitem zu sehen“, bemerkte Pfarrer Karl-Heinz Bartsch im vollbesetzten Kirchenschiff. Drei Flutlicht-Strahler tauchen die Nord-, Süd- und Westseite des mächtigen Baus in orangefarbenes Licht. Rund 2.000 Euro haben die Leuchten gekostet. „Komplett bezahlt aus Spendengeldern“, so Bartsch. Bis Ostern wird die Kirche in der Dämmerung zwischen 18 und 22 Uhr täglich angestrahlt.
In seiner Neujahrsansprache in der evangelischen Kirche in Warburg ging Bartsch auf den Weg ein, bei dem man nicht wisse, wohin er führen werde. „Neues zu beschreiten ist spannend, macht aber auch Angst und verunsichert“, so der evangelische Geistliche. Deshalb werde der Blick häufig auf zurückliegend Vertrautes gerichtet. „Auch wenn wir Neues wagen müssen, können wir auf Gott bauen, weil er uns auf allen Wegen begleitet.“ Entscheidungen, deren zukünftige Ergebnisse man noch nicht kenne, seien im Leben immer wieder in diesem Vertrauen zu treffen.
Ein geistliches Konzert hatte in der Silvesternacht rund 120 Besucher in der Kirche „Maria im Weinberg“ einen besinnlichen Jahreswechsel beschert.
Werner Lütgefend, Leiter des Pastoralverbundes Borgentreicher Land, mahnte in seiner Neujahrspredigt „kostbare Worte, wertvolle Stunden und bereichernde Menschen nicht achtlos durch die Finger gleiten zu lassen“. Der katholische Theologe stellte anhand biblischer Zitate drei Worte Jesu als „Edelsteine“ vor: „Achtet auf das, was ihr hört!, Seid wachsam, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde! und Du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst“, zitierte der Geistliche. Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Nächstenliebe sollten die „funkelnden Juwelen des neuen Jahres“ im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben sein.
Altstadt-Pfarrer Wolfgang Fabian, Leiter des Warburger Pastoralverbundes, stellte am Neujahrstag, im Kirchenkalender das Hochfest Mariens, das Bild der Gottesmutter in den Mittelpunkt seiner Predigt. Sie stehe als Wegbegleiterin zur Seite, doch der entscheidende Begleiter sei Jesus Christus, „der auch in den kommenden 365 Tagen uns Menschen zugewandt bleiben möge“. Der Gläubige könne darauf vertrauen, dass der Gottessohn „bis in die Tiefen der Seele schaue und all unsere künftigen Wege begleite“.
Neustadt-Pfarrer Heinz Eickhoff benannte in seiner Predigt die zukünftigen Veränderungen im Gemeindeleben. Angesichts weiter sinkender Mitglieder-Zahlen werde die Kirche in sozialen und moralischen Fragen nur noch als ein Anbieter unter vielen gesehen. Eickhoff begrüßte den Willen der katholischen Bischöfe, Glaubensthemen verstärkt in den Blick zu rücken. Doch in sozialen Fragen müsse die Kirche ihr Profil schärfen, um gesellschaftlich anerkannt zu werden. Im innerkirchlichen Bereich sprach sich der Geistliche für den Dialog zwischen Bewahrern und Reformern aus.
Was wirklich zähle, sei nicht das Zählbare, das Messbare, sondern das von Gott Angenommensein eines jeden Einzelnen, bemerkte Gerhard Pieper, Leiter des Pastoralverbundes Egge, Börde, Diemeltal. „Letztlich nichts anderes als die Weihnachtsbotschaft“, so der Pfarrer. Sein Fazit: Im neuen Jahr einen „anderen Blick auf den Nächsten richten, um auch den anderen, den wohlwollenden Blick des Anderen zu erfahren.“
Vom Glücksschwein zum Sparschwein: „Schwein gehabt - Schwein haben“, lautete der Titel, den Pfarrer Peter Heuel, Leiter des Willebadessener Pastoralverbundes, über seine Gedanken zum Jahreswechsel stellte. In der Peckelsheimer Marien-Kirche reihte er Glücksbringer an Glücksbringer, die in ihrem ursprünglichen Gedanken äußerliches Glück und Zufriedenheit symbolisieren würden. Der Seelsorger übersetzte in seiner Ansprache glücklich mit dem biblischen selig. Denn das äußerliche Glück stehe nicht im Vordergrund. Geplatzte Träume, gescheiterte Lebensentwürfe, erfahrenes Leid würden „von Jesus in den Blick genommen“.
Am Ende des Gottesdienstes verteilte Pfarrer Heuel kleine Sparschweine, verbunden mit der Ankündigung, im Herbst ein Schlachtfest für das vor zwei Jahren eingeweihte neue Pfarrheim feiern zu wollen. „Jeder wird dann sein Sparschwein wieder mitbringen. Damit wir sagen können, Schwein gehabt“, scherzte der Geistliche. Es solle sichtlich mager bleiben - fett gefüllt mit leichten Geldscheinen.
© 2012 Neue Westfälische Warburg, Montag 2. Januar 2012