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Pressemeldung

Warburger wollen helfen

Kirchen, Caritas, Diakonie, Kulturvereine: Eine neue Flüchtlingsinitiative formiert sich unter einem Dach

Warburg (vt). Im Warburger Stadtgebiet leben aktuell etwa 190 Asylsuchende. Schon seit Langem engagieren sich viele Privatpersonen in der Hilfe. Sie unterrichten in der Unterkunft in der ehemaligen Kaserne bei Dössel beispielsweise Deutsch oder bieten Fahrdienste an. Jetzt wird diese Hilfsbereitschaft durch die Gründung einer neuen Flüchtlingsinitiative weiter gefördert und strukturiert. Ein überkonfessioneller Zusammenschluss von Kirchen, der Caritas und Diakonie sowie tatkräftiger Bürger möchte Flüchtlinge und Asylbewerber unterstützen und eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben fördern.

Gut 40 Personen hatten bereits im Dezember an einem ersten Treffen zur "Verbesserung der Willkommensstruktur" in Warburg teilgenommen. Organisation und Betreuung: In diesem Treffen hatte sich gezeigt, dass sich die Hilfe in zwei Gruppen teilen lässt. Zum einen werden Menschen gebraucht, die organisieren, zum anderen solche, die Flüchtlinge aktiv betreuen können. Zur Betreuung gehören Angebote wie Fahrdienste, Sprachunterricht, Begleitung zu Amts- und Arztterminen, Kreativangebote und vor allem: Teilhabe am Gesellschaftsleben.

"Es wurde nötig, die Flüchtlingshilfe zu diskutieren, damit keinen doppelten Strukturen entstehen", bemerkt Katharina Linpinsel von der Warburger Diakonie. Für die Asylbewerber seien feste Ansprechpartner wichtig. Einige der Ehrenamtlichen, die sich in der Initiative engagieren, haben bereits zuvor privat Unterstützung geleistet. Mitglieder des Muslimischen Kulturvereins besuchen zu den Gebetszeiten die Flüchtlinge in Dössel. Ein Angebot, das gerne angenommen wird. Die Initiative lege Wert darauf, Hilfe anzubieten, ohne sich aufzudrängen. Die Menschen könnten bei Bedarf auf den Ansprechpartner zukommen, andernfalls würde man zu sehr in die Privatsphäre eingreifen, sagt Linpinsel.

Für die rund 120 teilweise schwer traumatisierten Flüchtlinge in Dössel gibt es gerade einmal einen Sozialarbeiter, dem in der Woche nur sieben Stunden zur Verfügung stehen. Der Anschluss an den ÖPNV ist ebenso dürftig und Nachbarn, die um Hilfe gebeten werden könnten, gibt es dort nicht. Doch eben dies wäre nötig, denn anders als in Borgentreich, wo Flüchtlinge nur wenige Wochen verbleiben, leben die Bewohner in Dössel zum Teil über Jahre. "Einige leben schon acht bis neun Jahre dort", sagt Karl-Heinz Bartsch, Pfarrer der Warburger evangelischen Kirchengemeinde. "Und das isoliert, obwohl es Gemeinschaftsräume gibt". Die Asylsuchenden stammten aus vielen Ländern und könnten sich untereinander nur schwer verständigen. Es sei wie "ein Knast ohne Zaun", bemerkt der Seelsorger.

"In dieser Situation möchte die Initiative Erleichterung bieten", sagt Bartsch. Sie setze sich auch dafür ein, dass ein "Offenes Café" in Warburg entstehe, in dem ein Austausch stattfinden könne. Auf dem Gelände in Dössel habe es vor einigen Tagen ein solches Angebot gegeben, das viel Zuspruch gefunden habe, berichtet Bartsch. Viele Warburger seien bereit einen Beitrag zur Unterstützung zu leisten. "Doch Helfer kann es nie genug geben", fügt der evangelische Geistliche an.

Interessierte, die sich in der Initiative engagieren möchten, sind am Mittwoch, 22. April, um 19 Uhr ins Corvinushaus in der Sternstraße eingeladen.



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17 - Warburg, Donnerstag 26. März 2015