Evangelische Kirchengemeinde Warburg + Herlinghausen

Gemeindebrief September 2009 - November 2009

Seite 21-23

Spirituelle Wandertage - ein Rückblick

Spirituelle Wandertage – was sollen wir uns darunter vorstellen?

Auch nach dem Vortreffen im Mai war vielen von uns noch etwas mulmig. Wir, das sind 8 Mitarbeitende des HPZ St. Laurentius, A.-Chr. Große-Oetringhaus aus der evangelischen Kirchengemeinde Scherfede-Rimbeck sowie M. Redlich und D. Kuhlke aus der evangelischen Kirchengemeinde Warburg-Herlinghausen. Begleitet vom Reisesegen durch Pfr. Reihs und Schwester M. Janina ging es am Mittwochmittag unter der Leitung von Pfrn. Reihs-Vetter und Schwester M. Anna Katharina los – mit einem PKW und einem altersschwachen Bulli. In letzterem herrschte ein saunamäßiges Klima – ähnlich heiß und eng muss es in der Arche Noah gewesen sein –, aber der Weg ist eben nicht immer das Ziel… Sogar mit diesem Bulli kamen wir trotz des verlängerten schulfreien Wochenendes zügig in Minsen, unserem Zielort, an - sicher gefahren von unserem einzigen „Quotenmann“ Guido Menne, der sich während der ganzen Wandertage trotz mancher Stichelei tapfer schlug. Wir wohnten im „Landhotel Alte Schule“, wo wir uns sehr wohl fühlten in netten Zimmern und bei guter Bewirtung.

Einige konnten es nicht abwarten: Schon vor dem ersten Abendessen fragten sie sich zum Deich und Strand durch – gar nicht weit; aber es war Ebbe: Das Wasser war weg! Die erste Enttäuschung wurde jedoch schnell wettgemacht, als wir abends am Strand bei Sonnenuntergang und milder Brise zur Einstimmung in die kommenden Tage einen Abendmahlsgottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft feierten: Was für ein Erlebnis!

Nach dem liebevollen musikalischen Weckruf, der uns das Aufstehen am Donnerstagmorgen erleichterte, mussten wir feststellen, dass der Wetterbericht leider Recht behalten hatte. Es schüttete den ganzen Tag bei Windstärke 6-7 und feuchter Kälte. Wir sollten wohl den Text des Tages von der Sturmstillung (Mk. 4, 35-41) hautnah am eigenen Leibe erleben. Nach der Laudes, unserem Morgengebet, das wir ebenso wie die Komplet zur Nacht regelmäßig im Gästehaus neben der Kirche hielten, und einem ausgiebigen Frühstück besuchten wir zunächst die Minsener Kirche, um dort kräftig zu singen. Dann aber wagten wir es doch und traten unsere – allerdings verkürzte – Wanderung ums Hooksmeer an. Von wegen „stiller See und weites Meer“! Der Weg war ganz schön Kräfte zehrend und bedingt durch das stürmische Wetter eine harte Probe. Auch die Sackgassen, in die wir bewusst geführt wurden, waren fast zuviel. Denn trotz Regenkleidung, zusätzlich übergestülpter Müllsäcke und verzweifelt gehaltener Schirme (eher ständig umgeklappt und als Speichensalat zu erkennen) kamen wir doch ziemlich durchnässt an der Schleuse, die das Hooksmeer mit der Nordsee verbindet, an. Die gewaltige Brandung zu erleben, war sehr beeindruckend. Dennoch waren wir alle froh, als wir wieder zuhause waren.

Freitag: „Ebbe und Flut – Die Gezeiten im Wechsel“ erlebten wir auf unserer etwa 20 km langen Wanderung am Meer entlang über den Deich von Neuharlingersiel bis Bensersiel und zurück. Auf dem Hinweg mussten wir gegen den Sturm kämpfen und einige, wenige Regenschauer in Kauf nehmen (nichts im Vergleich zu den Wassermassen des Vortages…), dafür hatten wir auf dem Heimweg den Wind im Rücken. Alles hat eben seine Zeit – wieder füllte sich der Text des Tages (Pred. 3, 1-8) für uns mit ganz eigenen Erfahrungen. Und am Ende waren wir stolz und dankbar, dass alle die Herausforderung bewältigt hatten – in kleinen oder größeren Grüppchen oder auch allein mit sich und der Natur. Aber jede/r am Ende bewegt von einer Fülle an Eindrücken, die uns diese Pilgerschaft geboten hatte.

Am Samstag war frühes Aufstehen angesagt, denn wir waren nach der Laudes und dem Frühstück schon um 8.00 Uhr mit dem Wattführer verabredet. Die große Sorge um die richtige Fußbekleidung entschärfte dieser schnell: „Am besten, Sie gehen bar fuß!“ Der Weg führte uns von Schillig zum Minsener Oog, einer unbewohnten Vogelschutzinsel. Ps. 69 begleitete uns auf Schritt und Tritt: „Gott hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle… und die Flut will mich ersäufen…“ Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht, aber die Priele waren durch den Sturm doch tiefer als sonst und der Wattführer musste die günstigsten Durchgänge erst suchen. D. Kuhlke verlor einmal wirklich fast den Boden unter den Füßen und drohte unterzugehen, aber Schwester M. Anna Katharinas Hand hielt sie im letzten Moment fest und bewahrte sie vor Schlimmerem…

Slideshow

3 Bilder

#1 Gruppenportrait

Nach etwa 10 km erreichten wir wieder den sicheren Strand. Im Psalm betet der Errettete: „Ich will den Namen des Herrn loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank.“ – Auch wir haben viel gesungen in diesen Tagen, am liebsten „unser“ Lied: „Pilger sind wir Menschen“, zu dem in unserer Gruppe eine eigene neue Strophe entstand. Es war ein Erlebnis, wie aus zunächst zaghaften Einzelstimmen ein kräftiger Chor wurde.

Am Sonntag beschlossen wir die Tage mit einem gemeinsamen Tauferinnerungsgottesdienst, in dem auch alle noch einmal einander eine Rückmeldung und gute Wünsche mit auf den Weg gaben. - Die Mitte unseres Andachtsraumes ist im Laufe der Tage gewachsen. Immer mehr Symbole für das, was wir erlebt haben, kamen hinzu. Und unsere selbst gefalteten Papierschiffe wurden täglich mit einer neuen persönlichen „Tageserkenntnis“ beladen, mit der sie weiter an einen neuen Ort fuhren.

Überhaupt: Unseren beiden Leiterinnen gebührt ein riesiges Lob und herzlicher Dank für ihre detaillierte Vorbereitung. Immer wieder waren wir erstaunt, an was sie alles gedacht hatten. Wir erhielten viele positive Impulse für unser Leben und unsere berufliche Tätigkeit – durch Inputs in der Gruppe und auch in einzelnen Gesprächen. Die Erfahrung gelebter Ökumene wird mit uns gehen: Als 13 Einzelpersonen waren wir gestartet, als eine Gemeinschaft sind wir zurückgekehrt. Wir freuen uns schon auf eine Fortsetzung der „spirituellen Wandertage“ im nächsten Jahr.

... für die Gruppe:

Marita Dunkel, Doris Kuhlke, Monika Wieners

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