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Bekennen heißt, zu jemandem stehen und das öffentlich kundtun. Zum christlichen Glauben gehört in diesem Sinne das Bekennen des dreieinigen Gottes. Es kann auf vielfältige Weise geschehen: durch die Form des Lebensvollzuges, als persönliche Glaubensaussage und auch durch das Einstimmen in tradierte, fest gefügte Bekenntnisse, die in der Kirche maßgebliche Autorität erlangt haben. Im Gottesdienst geschieht Letzteres mit den Worten eines der Glaubensbekenntnisse aus der Alten Kirche. Das so genannte Credo (=lat.: Ich glaube) hat in den Gottesdiensten unserer Region seinen Ort nach der Lesung. So bekommt es den Charakter einer Antwort auf das zuvor gehörte Wort Gottes. Dem Bekenntnis Gottes zum Menschen folgt das Bekenntnis der Gemeinde zu Gott. Die Liturgie trägt damit der Erkenntnis Rechnung, die Paulus so ins Wort fasst: „Der Glaube kommt aus der Predigt; das Predigen aber aus dem Wort Christi.“ (Röm. 10, 17) Die Bedeutung des Bekenntnisses wird dadurch unterstrichen, dass die Gemeinde sich dazu von ihren Plätzen erhebt.
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, ...“ Mit diesen Worten beginnt das so genannte Apostolische Glaubensbekenntnis - jenes Bekenntnis, das bei uns in (fast) jedem Gottesdienst gesprochen wird (EG 853). Im Mittelpunkt steht das Bekenntnis zum dreieinigen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist. Insbesondere wird die Geschichtlichkeit Jesu betont, indem alle wichtigen Stationen seines Lebens benannt werden – von der Geburt über Tod und Auferstehung bis zur erwarteten Wiederkehr als Richter der Welt. Damit betont das Apostolikum, dass der christliche Glaube auf historischen Heilstatsachen beruht und sich zugleich auf den dreieinigen Gott bezieht.
Der Name „Apostolisches Glaubensbekenntnis“ gründet in dem Irrtum, dass es auf Jesu Jünger, die Apostel selbst, zurückgehe. Seine ältesten Teile stammen jedoch aus dem zweiten Jahrhundert. Ursprünglich war das Apostolikum das Taufbekenntnis in der westlichen Kirche. Hieran knüpfen wir heute noch an, wenn im Taufgottesdienst das Credo nicht wie sonst üblich nach der Lesung, sondern im Zusammenhang der Taufe gesprochen wird. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts ist das Apostolische Glaubensbekenntnis in seiner heutigen Form schriftlich belegt. Unter Kaiser Karl dem Großen wurde es um 800 n. Chr. offizielles Taufbekenntnis des Frankenreiches und damit – in Fortführung – des ganzen Abendlandes. Für Martin Luther war das Apostolikum eine treffende Zusammenfassung der apostolischen Predigt, weil es "kurz und richtig die Artikel des Glaubens gar fein fasset". Er hat es sowohl im Kleinen als auch im Großen Katechismus erklärt.
Bis heute verbindet uns das Apostolikum mit vielen anderen Kirchen, so der römisch-katholischen Kirche, der altkatholischen Kirche, den anglikanischen und anderen Kirchen. Dagegen kennen die orthodoxen Kirchen des Ostens das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht.
Im dritten Artikel heißt es „Ich glaube an den Heiligen Geist, die eine, heilige, katholische Kirche…“. Das Wort „katholisch“ bedeutete ursprünglich so viel wie „allgemein“, „allumfassend“. Die römisch-katholische Kirche lehrt jedoch, dass sie mit der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ identisch sei, oder (seit dem 2. Vatikanischen Konzil) dass sie zumindest deren Mitte und Kern sei. Deshalb nennt sie sich „katholisch“. Die anderen Kirchen betonen dagegen, dass Christinnen und Christen aller Konfessionen zu der im Glaubensbekenntnis genannten „katholischen“ Kirche gehören. Deshalb formulieren wir: „Ich glaube an… die eine, heilige, christliche Kirche…“, um ein konfessionelles Missverständnis auszuschließen.
An besonderen Festtagen (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) tritt in den Gottesdiensten unserer Region an die Stelle des Apostolikums ein anderes Bekenntnis der Alten Kirche: das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, das so genannte Nizänum (EG 854). Dieses ebenfalls trinitarisch gegliederte Bekenntnis wurde auf dem ökumenischen Konzil von Nicäa 325 n. Chr. beschlossen und erhielt 381 in Konstantinopel seine abschließende Fassung. Es ist das ökumenische Glaubensbekenntnis schlechthin, insofern es – bis auf eine (kleine) Abweichung – auch von den Kirchen des Ostens gesprochen wird. Es verbindet also wirklich die gesamte Christenheit auf Erden.
Die altkirchlichen Bekenntnisse stellen die Kontinuität des kirchlichen Glaubens durch die Jahrhunderte sicher und ermöglichen immer von neuem die Rückbesinnung auf seine zentralen Inhalte. Und sie verbinden die verschiedenen Konfessionen und bilden die Basis für jede ökumenische Zusammenarbeit. Damit sind sie von unschätzbarem Wert, nehmen sie uns doch im Vollzug unseres Gemeindegottesdienstes hinein in die Jahrtausende und Welt umspannende Christenheit.
Almuth Reihs-Vetter
Lesen Sie im nächsten Gemeindebrief eine Einführung zur liturgischen Bedeutung der Predigt.