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Weise mir, Herr, deinen Weg
Jahreslosung '76.
150 Jahre besteht die evangelische Kirchengemeinde Warburg - für die Glieder der Gemeinde ein Grund zum Loben und Danken. Durch gute und böse Zeiten hat Gott hindurchgeführt. Seine Wege waren oft mühsam zu gehen und manches Mal führten sie durchs dunkle Tal. Auch heute ist es lebensnotwendig, um Wegweisung zu bitten. Gemeinde Gottes ist unterwegs, nicht am Ziel.
Aber in der Rückschau zeigt sich auch, daß Gottes Güte den rechten Weg gewiesen hat. Die vorliegende Festschrift zum 150jährigen Jubiläum birgt einen Schatz von Erinnerungen. Sie möchte den Gliedern der Gemeinde und den alten Warburgern einen Gruß aus der Vergangenheit bieten und von dem berichten, wofür wir dankbar sein können.
Mögen auch die Nachfolgenden sich daran erfreuen; möchte ihnen der Schatz der. Erinnerungen zum wertvollen Besitz werden, so daß sie ihren Weg unter Gottes Geleit finden. All den Mitarbeitern, die sich um diese Festschrift mühten, vor allem dem Presbyter und Rektor Albert Kuhn, sei an dieser Stelle Dank gesagt.
Das Presbyterium
Bastert, Pfr.Herzlich grüße ich die Evangelische Kirchengemeinde in Warburg zu ihrer 150-Jahr-Feier. Es besteht viel Grund zum Danken. Die Geschichte ist wechselreich und niemals einfach gewesen. Zuerst ging es um die Diasporasituation und um die Bewährung evangelischer Treue als kleine einsame Minderheit. Dann kam die große Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen hinzu und es ging darum, in dieser Notsituation die Sammlung der Vereinsamten und Zerstreuten vorzunehmen, neues Heimatgefühl zu wecken und vom Glauben her Kraft zum Dienst der Liebe und zur Pflege der Gemeinschaft zu empfangen. Mittlerweile hat wiederum eine neue Epoche begonnen.
Die Evangelische Gemeinde als solche ist ansehnlich und wohlgegründet. Zahlenmäßig und versorgungsmäßig ist alles in Ordnung. Nun aber geht es darum, daß dem Zug der Verweltlichung gewehrt und die Treue im Glauben gewahrt und gefestigt wird. Was sich in der Minderheitssituation der Diaspora in der Anfangszeit als selbstverständlich ergab und in der Not der Nachkriegszeit wiederum zur Belebung des Glaubens führte, das muß unter den heutigen Umständen ganz neu als eine alle Gemeindeglieder gemeinsam verpflichtende Herausforderung aufgegriffen werden. Insofern ist das 150. Jahresfest der Gemeinde nicht nur Anlaß zu dankbarem Rückblick, sondern auch Gelegenheit dazu, mit Entschlossenheit den Weg in die Zukunft anzutreten und bis in jedes einzelne Haus der Evangelischen Gemeinde hinein neu das Leitwort des Josua zu beherzigen: Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen (Josua 24,15).
Signatur des Präses
Die Evangelische Kirchengemeinde Warburg ist von Laien gegründet worden: Als nach den napoleonischen Wirren sich in und um Warburg evangelische Christen ansiedelten, da kamen um das Jahr 1820 evangelische Männer in Warburg zusammen, um darüber Rats zu pflegen, wie die Gründung einer evangelischen Pfarrstelle in die Wege geleitet werden könne. Und diese Gründung betrieben tatkräftig, um nur einige zu nennen: Der Apotheker Goedecke, der Landgerichtsassessor Tiemann und der Kreisoffizier von Diest. Auf ihre Veranlassung wurde dann durch die Regierung in Minden der Superintendent Scheer in Bielefeld beauftragt, sich nach Warburg zu begeben, um dort zu erkunden, ob die Errichtung einer selbständigen Kirchengemeinde Warburg möglich sei. Und nun kommt etwas sehr Bezeichnendes. Als der Herr Superintendent in Warburg war, erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß zu seinem Sprengel eine evangelische Gemeinde gehörte, von deren Dasein er keine Ahnung hatte. Das war die Gemeinde Herlinghausen, die allerdings von dem hessischen Dorf Ersen versorgt wurde.
Dieser Auszug aus dem Gemeindebuch 1952 der Kreissynode Paderborn läßt einen Blick tun in die Ursprünge der Evangelischen Kirchengemeinde Warburg. Heute, 150 Jahre nach der Gründung der Gemeinde, geht der Blick dankbar zurück für all den Segen, den Menschen in dieser Zeit erfahren durften. Gott hat die Botschaft des Evangeliums auch in Warburg ausrichten und ihre Wirkung tun lassen. Auch in die Zukunft richtet sich der Blick und weckt die Bitte, daß solches fernerhin geschehen möge und daß dem Glauben Tor und Tür der Menschenherzen geöffnet werden, damit das Zeugnis von Jesus Christus Frucht bringe und sich als Kraft erweise, die wir alle zu unserem Leben nötig haben.
Der Kirchenkreis Paderborn grüßt die Kirchengemeinde Warburg aus Anlaß der 150-Jahr-Feier herzlich. Unter den 23 Kirchengemeinden des Kirchenkreises ist Warburg heute die sechsgrößte. Die Gemeinden sind einander bekannt und arbeiten zusammen. Man kennt sich und macht dankbar von den Möglichkeiten Gebrauch, die es im Jahre 1820 noch nicht gab, so daß es damals vorkommen konnte, daß ein Kirchenkreis von der Existenz einer Gemeinde, die zu ihm gehörte, keine Kenntnis hatte.
Der Kreissynodalvorstand erbittet für die weitere Arbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Warburg Treue und Festigkeit im Bekenntnis zu Jesus Christus und Offenheit und Bereitschaft zum Tun des Notwendigen und Hilfreichen, das Christen sich untereinander und jedermann schuldig sind.
In herzlicher Verbundenheit grüßt das Dominikanerkloster die Evangelische Kirchengemeinde Warburg zu ihrem 150jährigen Bestehen.
Nicht nur die Arbeit in der Ökumene, die Podiumsdiskussionen und Gottesdienste, die wir seit Jahren in dieser Stadt gemeinsam gestalten, verbinden uns miteinander. Es ist noch mehr. Als vor 151 Jahren der Dominikanerorden in Warburg aufgelöst wurde, erhielt die junge evangelische Gemeinde die ehemalige Dominikanerkirche als Pfarrkirche, über 600 Jahre lang wurde in diesem Raum von den Brüdern des Predigerordens das Wort Gottes verkündet. Daß diese Tradition im Dienst des Evangeliums bis heute nicht abgebrochen wurde, freut uns besonders. Noch immer wird an diesem Ort die Botschaft des Heils ausgerichtet, die den Menschen unserer gehetzten Zeit Glaubensfreude und Geborgenheit schenkt.
Aus der anfänglich kleinen Schar der Gläubigen ist heute eine blühende Gemeinde geworden, die dankbar zurückschauen kann und ihre Wege in die Zukunft plant, indem sie sich unter das Wort stellt: Weise mir, Herr, Deinen Weg!
Wir Dominikaner wollen auch weiterhin ein Stück des Weges mit Ihnen gemeinsam gehen, weil jeder heute den Gefährten braucht, nötiger denn je.
Im Namen der Dominikaner von Warburg
Signatur des Prior
Die beiden Katholischen Kirchengemeinden St. Joh. Bapt. und St. Marien in Warburg sprechen der Evangelischen Kirchengemeinde, die vor 150 Jahren in Warburg begründet wurde, ihre herzlichen Segenswünsche aus.
Gegenseitige Ehrfurcht und christliche Toleranz sind die Voraussetzungen für das gemeinsame Zeugnis und das uneingeschränkte Bekenntnis: Jesus Christus ist der Herr!
Die Botschaft des Evangeliums, die im apostolischen Glaubensbekenntnis bejaht, angenommen und verkündet wird, möge in der Kraft des Heiligen Geistes weiterhin in der Evangelischen Kirchengemeinde wirksam sein, damit alle im Glauben erkennen: der Sohn Gottes wurde Mensch, um uns durch sein Kreuz zu erlösen.
Signatur der Pfarrer
Am Ikenburg zu Warburg zwischen dem ehemaligen Dominikanerkloster belegen, cirka 150 Fuß lang und 50 Fuß breit, aus Bruchsteinen erbaut, mit Schiefer gedeckt, befindet sich in gutem baulichen Zustande, nebst zugehöriger Umgebung und Kirchhof 93 Ruthen 35 Fuß Fläche enthaltend Kirche nebst zugehöriger Umgebung und Kirchhof ...
So entnehmen wir dem alten Lagerbuch der Kirchengemeinde, wenn uns etwas über den Standort der evangelischen Kirche in Warburg gesagt werden möchte:
Das Gotteshaus war einmal die erste Kirche der Warburger Altstadt; etwa um 1200 unserer Zeitrechnung erbaut. Bischof Otto vom Rietberg von Paderborn schenkte die Kirche 1283 dem Dominikanerorden, der zwei Jahre vorher hier in der Warburger Altstadt eine Niederlassung gegründet hatte. Aus geschichtlichen Berichten weiß man, daß die Altstädter über diese Schenkung sehr unwillig waren, ja, es gab sogar einen förmlichen Sturm gegen das Kloster. In einer Chronik der Kirche heißt es: Man zog eines Tages die Sturmglocken, rief die Bürgerschaft zusammen und jagte die Mönche aus Kloster, Kirche und Stadt. Erst als der Bischof den Altstädtern mit empfindlichen Strafen drohte und eine Exkommunikation dabei nicht ausschloß, beruhigten sich die Gemüter. Darüber hinaus versprach er dann auch Hilfe beim Bau einer eigenen Kirche.
Vom Baustil her lassen sich am Gebäude allein drei Bauperioden unterscheiden. Der älteste Teil ist das Mittelschiff mit dem nördlichen Seitenschiff, beide im rein romanischen Stil erbaut. Anfang des 14. Jahrhunderts setzten die Mönche vor das romanische Langhaus ein hohes gotisches Chor. Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte dann noch die dritte Erweiterung durch ein niedriger gelegenes Schiff zu beiden Seiten, deren Fenster flache Stichbögen mit gotischem Maßwerk zeigen. So besteht also unsere Kirche aus einem Mittelschiff, einem südlichen und zwei nördlichen Seitenschiffen und dem hohen gotischen Chor. Die kleine Vorhalle stammt aus der Zeit um 1500.
Erwähnenswert ist an der östlichen Stirnwand der Hochaltar, eine Stiftung des Paderborner Bischofs Ferdinand II. von Fürstenberg aus dem Jahre 1665. Dieser Altar zeigt in der Mitte das Bild von Maria Himmelfahrt. Zu beiden Seiten sieht man die überlebensgroßen Statuen des Bischofs Liborius und des Hl. Meinulf, über dem Bild erkennt man das bischöfliche Wappen mit den beiden Kreuzen. Im Rundbild darüber ist Gottvater mit der Taube in den Wolken und als Krönung die Statue des Erlösers dargestellt.
Wenngleich auch dieser Hochaltar nicht der Ausschmückung einer evangelischen Kirche entspricht, so gebietet es doch christliche Toleranz, ihn zu erhalten und möglichst bald einer Restaurierung zu unterziehen.
Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1810 durch König Jerome, dem Bruder Napoleons I., wurde das Gotteshaus durch Königliche Kabinettsorder Friedrich Wilhelms des III. vom 21.12. 1824 der evangelischen Gemeinde als Eigentum überwiesen. Dabei wurde die Mitbenutzung für die Schülergottesdienste des katholischen Progymnasiums und jetzigen Gymnasiums Marianum als Rechtsnachfolger der früheren Lateinschule, die von den Klosterpatres geleitet worden war, vertraglich gesichert. Die evangelische Gemeinde richtete dann das Gotteshaus als evangelische Kirche her und entfernte die Nebenaltäre und sonstige der katholischen Glaubensauffassung entsprechende Einrichtungen. Eine Restaurierung erfuhr die Kirche in den Jahren 1892 bis 1894. Altar und Kanzel wurden erneuert und 1895 an Stelle der kleinen barocken Dachhaube der größere neugotische Dachreiter aufgesetzt.
Der besondere Schmuck der Kirche, die wertvolle Barockorgel aus dem Jahre 1735, ist in den Tagen des Zusammenbruchs am 22. April 1945 von russischen Soldaten, die im Gymnasium untergebracht waren, mutwillig angezündet und dadurch völlig zerstört worden. Durch besonderen Einsatz des damaligen Pfarrers Cremer und großer Spendenfreudigkeit auch katholischer Bürger, konnte am Sonntag Exaudi des Jahres 1947 dem 18. Mai, in feierlichem Gottesdienst eine neue Orgel eingeweiht werden. Sie war von der Orgelbaufirma Euler, Hofgeismar, mit Gesamtkosten von 30 000 RM erbaut worden.
In den Jahren 1964 - 1968 erfuhr unsere Kirche eine gründliche Restaurierung. Der Innenraum wurde umgestaltet, indem die Orgelempore entfernt, der Fußboden ausgehoben und gegen aufsteigende Feuchtigkeit mit einer Trockenverschüttung versehen wurde. Gleichzeitig erhielt die Kirche eine Warmluft-Umlaufheizung. Beim Ausgraben der Heizungsschächte fand man viele Skelettknochen früherer Beisetzungen. Diese wurden in drei Kisten aufgenommen und wieder eingemauert.
Im Mittelraum erhielt die Kirche einen Holzparkettboden und neues Gestühl, einmal in Form von Bänken aus Spessarteiche und für die Seitenschiffe zum anderen gute Stühle mit Binsengeflecht. Die ehemalige Sakristei ist heute eine würdige Kapelle, die für die evangelischen Schüler des Marianums zum Schulgottesdienst genutzt wird und alljährlich der Gemeinde in der Passionszeit Raum für ihre Andachten gibt. Der Versuch, frühere Ausmalungen freizulegen und zu restaurieren, ist nur zu einem ganz bescheidenen Teil gelungen.
Mit besonderer Freude und Dankbarkeit hat die Gemeinde am 13. Juni 1971 der Einweihung einer neuen Orgel beiwohnen dürfen. Die Orgel wurde von der Orgelbaufirma Ott aus Göttingen mit Gesamtkosten von ca. 125 000 DM erbaut.
Im Jahre 1974 ist es dann auch gelungen, den 12 Apostelfiguren einen würdigen Platz im Kirchenschiff zu geben und die Verantwortlichen in der Kirchenleitung zu ermutigen, einem oft geäußerten Wunsch zu folgen, die evangelische Kirche in Warburg Apostelkirche zu benennen.
Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Warburg ist so reich an bedeutsamen Ereignissen, daß damit ein ganzes Buch gefüllt werden könnte. Das alles kann und soll diese Festschrift aber nicht wiedergeben, sondern sie soll lediglich einen kurzen Abriß der zurückliegenden 150 Jahre aufzeigen.
Um 1820 gab es in der Stadt Warburg und deren Umgebung eine Anzahl Evangelischer, die durch die Pfarrer benachbarter Gemeinden in Waldeck und Hessen seelsorglich bedient wurde, aber ohne kirchliche Organisation war. Echter Laieninitiative und Unterstützung des Königs ist es letztlich zu verdanken, daß es in Warburg zu einer Gemeindegründung kam. König Friedrich-Wilhelm III. überwies den Männern um den Land- und Stadtgerichtsassessor Tiemann die Kirche des Dominikanerklosters und leer stehende Räume des Klosters für Pfarrer, Lehrer und Schule. Am Sonntag Jubilate 1826 fand dann nach mehr als 200 Jahren der erste evangelische Gottesdienst in Warburg statt, und als erster Pfarrer wurde Reinhold Winzer eingeführt. Die junge Gemeinde zählte etwa 280 Seelen.
Im Frühjahr des Jahres 1827 erhielt Pfarrer Winzer vom Königlich-Preußischen Hüttenamt in Bendorf am Rhein einen Brief: Zufolge erhaltenen höheren Auftrages übergeben wir heute dem Königlichen Postwagen in franco-Fracht die von seiner Majestät dem Könige der dortigen evangelischen Kirche geschenkten zwei Altarleuchter.
Diese beiden Leuchter schmücken heute noch den Altar der Kirche.
Unter dem 16. August 1838 erfolgte nach Allerh. Cabinets-Ordre das ausschließliche Eigentumsrecht der evangelischen Gemeinde an der geschenkten früheren Dominikanerklosterkirche. Segensreiche Jahre erlebte die Gemeinde unter Leitung ihres Pastors Heinrich Leonhard Koch, einem urwüchsigen Westfalen, der auch bei der katholischen Bevölkerung in hohem Ansehen stand. Die Chronik weiß zu berichten, daß am 1. Advent des Jahres 1860 anläßlich seiner 25jährigen Amtstätigkeit in einer besonderen Feier die friedliche und freundliche Gestaltung der Beziehung zu der hiesigen katholischen Geistlichkeit und Bevölkerung in erfreulicher Weise Ausdruck fand. Am 23. 10. 1867 starb Pastor Koch und wurde auf dem Burgfriedhof beerdigt.
Es folgte für die Gemeinde eine zweijährige Interimszeit, bis dann am 21. 2. 1869 Pfarrer Holzhausen von Driburg nach Warburg kam und die Leitung der evangelischen Kirchengemeinde übernahm. Die Chronik berichtet aus der Amtszeit des Pfarrers Holzhausen im wesentlichen nur über schulische Fragen, denn der Leser dieser Zeilen soll erfahren, daß auch mit der Gründung der Kirchengemeinde im Jahre 1826 die Einrichtung einer evangelischen Schule erfolgte. Erster Lehrer war damals ein H. Pohlmann. Der Lehrer war auch immer zugleich Cantor der Kirchengemeinde, und Lehrerwohnung und Schulräume befanden sich in den Räumen des ehemaligen Klosters. Der Pfarrer Theodor Holzhausen starb am 12. 9. 1900 an einer Lungenentzündung im Alter von 74 Jahren und fand ebenfalls seine letzte Ruhestätte auf dem Burgfriedhof.
Mit dem 12. 5. 1901 begann dann die bisher längste Amtszeit eines Geistlichen in der Warburger Gemeinde, die des Pfarrers Gustav Venghaus, der zuvor in unserer Nachbargemeinde Herlinghausen tätig war und - wie alle Pfarrer der Nachbargemeinde - der Verpflichtung unterlag, jeden zweiten Sonntag in Warburg Gottesdienst zu halten.
Am 1. 4. 1902 wurden die Wohnräume für den Lehrer frei, Lehrer Schmidt bezog eine Privatwohnung. In diesen freigewordenen Räumen wurde am 20. Januar 1903 die erste Kleinkinderschule, heute Kindergarten genannt, eingerichtet. Diese Kinderschule besuchten 30 bis 40 Kinder. Nach der Volkszählung vom 1. 12. 1900 betrug die Zahl der Gemeindeglieder 1199, davon 951 in der Stadt selbst und 248 in den umliegenden Ortschaften. Die Zahl der evangelischen Bürger dieser Stadt stieg in den folgenden Jahren, 1910 waren es bereits 1230. Die Kirche erhält im Jahre 1912 statt der Petroleumbeleuchtung elektrisches Licht.
Unter dem Bibelwort aus 2. Kor. 4,8 Uns ist bange, aber wir verzagen nicht versammelte sich bei Kriegsausbruch am 5. August 1914 die Kirchengemeinde zum Gottesdienst. Während des Krieges wurde wöchentlich eine Gebetsstunde - zur Abendzeit - in der Kirche gehalten, die immer gut besucht war. - In einem ergreifenden Gottesdienst am 25. September 1917 verabschiedet sich die Gemeinde von den beiden größten der drei Glocken, die die Heeresverwaltung eingefordert hatte. Die Glocken trugen die Inschrift: Zum Lobe Gottes öffne ich den Mund - Ich rufe zum Gebet von Herzens Grund - Ich zeige an der Menschen Sterbestund. Im gleichen Jahr beging die Gemeinde die 400-Jahr-Feier der Reformation. Mit Datum vom 28. September 1918 schrieb Pastor Venghaus in die Chronik: Möge das 5. Kriegsjahr den ersehnten guten Frieden bringen!
Nun, dieser gute Frieden ward der Gemeinde nicht beschert. Schon während des Krieges verursachten Ernährungsschwierigkeiten die Schließung der Kinderschule. Der verlorene Krieg und die Revolution führten eine ungeheure Entwertung des Geldes herbei. Unter dem 28. Juli 1921 gibt die Chronik zu wissen, daß dem Auslande gegenüber eine Reichsmark nur noch 7 Pfennig gilt. Dennoch zeigt auch hier die Anschaffung einer neuen Bronzeglocke, wie Kirche aus der Gemeinde heraus zu leben und große Spendenfreudigkeit ihrer Glieder Notzeiten zu überbrücken vermag. Armut war überall eingekehrt, der Kapitalbesitz der Gemeinde wurde durch die Inflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte, nahezu vernichtet.
So schließt mit dem Datum des 5. März 1926, also nach hundert Jahren evangelischer Kirchengemeinde Warburg, die Chronik.
Aus dem Leben der Gemeinde in den Jahren 1926 bis 1946
Der Festpredigt zum 100jährigen Bestehen der Gemeinde legte Konsistorialrat Jäkel aus Münster das Bekenntnis des Jüngers Petrus zugrunde: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. (Matth. 16, Vers 16). Niemand im Kreise der dankbar auf ein Jahrhundert zurückblickenden Hörer ahnte damals, wie bald die ganze Gemeinde und mit ihr alle Christen in Deutschland gefragt sein würden, ob sie zu diesem Bekenntnis stehen.
Die erste Zeit ließ von den bevorstehenden Gefahren noch nicht viel spüren. Die Wirtschaftskrise brachte zwar auch Sorgen für die Gemeinde - in den Protokollen der Presbyteriumssitzungen ist viel von Kirchensteuern und Bitten um deren Erlaß, Ermäßigung oder Stundung nachzulesen. Aber das Leben in der Gemeinde blühte. Anfang der 30er Jahre wurde ein Jungmännerverein gegründet. Ein Jugendsekretär reiste des öfteren von Kassel-Wilhelmshöhe an. Ein Jungmädchenkreis bildete sich. Die Frauenhilfe durfte auf 25jährige Arbeit in der Gemeinde zurückblicken — ihre Leiterin erfuhr eine besondere Ehrung. Der Kirchenchor gestaltete die Gottesdienste an den Festtagen mit musikalischen Beiträgen.
Das stetige Leben aber wurde gestört mit der Machtübernahme im Staat durch den Nationalsozialismus und dem Beginn der braunen Ära unter dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Die Ideologie seiner Partei machte auch vor dem christlichen Glauben nicht halt. Die Deutschen Christen sollten die Macht in der Kirche übernehmen und fanden in manchen evangelischen Gemeinden geeignete Ohren für ihre Ziele: eine geeinte evangelische Kirche unter einem Reichsbischof nach dem sog. Führerprinzip; ein Freiwerden von nichtarischen - sprich jüdischen - Einflüssen; das hieß Abkehr vom Alten Testament, Absetzung von Pastoren jüdischer Abstammung, Abwenden von getauften Juden. Die Stunde des Bekennens war gekommen!
Auch die Warburger Gemeinde sollte von dem überall einsetzenden Angriffen nicht verschont bleiben. Hier nahmen sie besonders bösartige Formen an. Zielscheibe war die Person des Pastors Venghaus. Seit 1901 im Dienst der Gemeinde und schon im 68. Lebensjahr stehend, wurde er durch geschickte Manipulation aus dem Amt gedrängt, dann als Pfarrverwalter wieder eingesetzt und schließlich zum 1. April 1935 in den Ruhestand versetzt. Von den harten Auseinandersetzungen im Presbyterium und in der Gemeinde ist von den älteren Gemeindegliedern noch manches zu erfahren. Ein Sohn des langjährigen Seelsorgers hat im Jahre 1958 einen gründlichen Bericht über die schwere Zeit verfaßt, anhand der Unterlagen, die er im Nachlaß seines Vaters fand. Aber Namen der damaligen Gegner nennt er nicht, weil heute kein zu rechtfertigender Anlaß mehr besteht, einen nicht mehr gefährlichen aber wohl noch unter den Lebenden weilenden, früheren Nazi seine alte und hoffentlich schon längst vergebene Sünde nach einem Vierteljahrhundert noch nachzurechnen! Wir wollen es in diesem Rückblick ebenso halten. Wir können das Bekenntnis zu Jesu und zu seiner Versöhnung unter den Menschen, damals in heißem Ringen bezeugt, nur schmälern, wenn hier eine ausführliche Schilderung der harten Auseinandersetzungen aufgezeigt wird.
Der Nachfolger, Gerd Cremer, zuvor Pfarrer in Peckelsheim, wurde vom Konsistorium nach Warburg berufen. Er konnte zunächst mit den Presbytern zusammenarbeiten. Da er aber mit der Mehrzahl der Gemeinde treu zum Evangelium und zum Bekenntnis stand, war ein gedeihliches Miteinander nicht möglich. Offensichtlich jedoch war die Stellung der Mitglieder der Bekennenden Kirche so stark, daß die Deutschen Christen ihre Position im Presbyterium räumen mußten. Auf Vorschlag aus der Gemeinde berief sodann das Konsistorium in Münster fünf Männer in die Leitung der Gemeinde, die alle wie der Pastor und der letzte der alten Presbyter, Mitglieder der Bekennenden Kirche waren. Ab 1938 stand dem Pfarrer wieder ein arbeitsfähiges Gremium zur Seite. Eine der Ehefrauen der damals Berufenen erinnert sich an die Sorgen ihres Mannes, dem Ruf zum Presbyteramt zu folgen. Sie hat ihn gestärkt mit den Worten Dr. Martin Luthers: Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es muß uns doch gelingen.
Auch Pfarrer Cremer wurde zur Zielscheibe bösartiger Angriffe. Und wieder litt mit ihm und seiner Familie die Gemeinde. Er mußte im Kriegsjahr 1941 die Pfarrwohnung verlassen, da Gefahr für Leib und Leben der Bewohner des Pfarrhauses beständen. Es waren Schäden am Balkenwerk im ehemaligen Dominikanerkloster entdeckt worden und die Stadt verlangte die Räumung. Nach dem Umzug zum Puhlplatz, heute steht dort das Gebäude der Landeszentralbank, wurde in den angeblich baufälligen Wohnungen nichts repariert. Es zog die nationalsozialistische Jugend (HJ und BDM) dort ein, später die Kreisleitung der NSDAP.
Der Zusammenbruch des 1000jährigen Reiches hätte fast auch einen Zusammenbruch der Gemeinde mit sich bringen können. Das Kircheninnere war ja, wie der Leser, aus der Baugeschichte erfahren hat, zerstört worden, in den Familien war Not und Elend eingekehrt, Frauen und Kinder trauerten um gefallene Männer, Väter und Söhne, verzweifelnde Mütter bangten um Nachricht über Vermißte. Jedoch, die Treue zum Glauben und das Festhalten am Bekenntnis ließ die Gemeinde auch diese Zeit überstehen helfen. Jetzt galt es in besonderem Maße, nicht nur und nicht mehr für sich allein zu bekennen, jetzt mußten auch die Brüder und Schwestern aufgenommen, versorgt und betreut werden, die der Krieg aus der Heimat vertrieben und nach Warburg verschlagen hatte - die große und die schwere Zeit der erneuten Bewährung und Prüfung begann von neuem.
Die Jahre der Eingliederung und des Neuwerdens einer Gemeinde
Immer wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten - so darf der Schreiber dieser Zeilen aussagen, wenn nun über Neuwerdung der Warburger evangelischen Kirchengemeinde zu berichten ist. Was sollte mit dem Begriff Eingliederung gemeint sein? Nachdem Pastor Cremer die Last des Amtes nicht nur für seine Warburger Gemeinde zu tragen gehabt hatte, kam ihm am 1. November 1947 Hilfe durch Frau Vikarin Luise Schreiber, aus Schlesien vertrieben. Vertrieben wie Tausende anderer und auf der Suche nach neuer Heimat und neuer Gemeinde. Hatte die Gemeinde 1937 1400 Seelen gezählt, so wuchs die Zahl bis Oktober 1947 auf 3650, davon im Stadtbereich Warburg auf 2200.
Und hier vollzog sich nun Eingliederung und Neuwerdung, wenn auch manchmal mit Tränen und Bitterkeit, aber doch mit sichtbar werdender Dankbarkeit dieser Vertriebenen - sie hatten in der Kirche mit ihrer Vikarin aus Schlesien ein Stück Heimat wiedergefunden. In allen kirchlichen Bereichen entwickelte sich reges Leben, in den umliegenden Ortschaften wurden Gottesdienste eingerichtet. Pastor und Pastorin waren ständig auf Achse - auf Zweirad mit Hilfsmotor knatterten sie bei Wind und Wetter durch das Warburger Land.
Am 8. April 1952 konnte Pastor Cremer endlich wieder in seine Wohnung im alten Kloster einziehen, ein Gemeinde- und Konfirmandensaal wurde hergerichtet, Wohnung für den Küster Dörfer und seine Familie stand zur Verfügung - Dank gebührte kirchlichen und kommunalen Stellen für finanzielle Unterstützung.
Am 1. April 1955 ging Pastor Cremer in den Ruhestand, nachdem er 20 Jahre segensreich in unserer Gemeinde gewirkt hatte. Welche Last der Arbeit er mit seiner Vikarin getragen hatte, ist vielen Gemeindemitgliedern noch im Gedächtnis. Halb erfroren mußte man ihn so manches Mal aus seiner Fliegerkombination herausschälen, die er bei den Fahrten mit dem Motorrad anhatte. Er verstarb Ende Dezember 1962 im Wittekindhof bei Herford.
Aus der Chronik, die nach längerer Unterbrechung der Kirchmeister und Lehrer a. D. Martin Gürich weiterführte, entnehmen wir dann noch einmal Zahlen über die weiter angestiegene Zahl der evangelischen Bevölkerung in Stadt und Land. Die Seelenzahl, betrug am 1. Juli 1953 in der Stadt selbst 2549, und in den zum Gemeindebezirk gehörenden Ortschaften waren es 1065. Im Durchgangslager Dössel, dem Auffanglager des Flüchtlings- und Vertriebenenstromes, bewegte sich die Zahl zwischen 200 und 500, die der besonderen Betreuung durch die Kirche bedurften.
Hatte sich nun in den ersten 10 Jahren nach dem grausamsten aller Kriege die Gemeinde neu stabilisiert und die zu Beginn erwähnte Neuwerdung ihren Abschluß gefunden, so begannen jetzt Jahre der Unruhe, sowohl der schöpferischen als auch der störenden. Als Nachfolger für Pastor Cremer wählte das Presbyterium Karl Hagemann, der am 1. Juli sein Amt antrat. Sein Mühen galt zunächst der Einrichtung einer zweiten Pfarrstelle, die dann am 5. Mai 1957 mit Pastor Reinhard Baumann besetzt werden kann. Nun wurde die Gemeinde in zwei Bezirke aufgeteilt, dabei bildete die Hauptstraße die Grenze. Die schöpferischen Aspekte wurden die drei Bauvorhaben: Gemeindehaus - Pfarrhaus - Kindergarten.
Am Sonntag Exaudi des Jahres 1962 durfte dann die Gemeinde Pastor Ernst Bultmann als neuen Seelsorger begrüßen, Pastor Hagemann übernahm eine Pfarrstelle in Neu-Isenburg. Durch Beschluß der Landessynode von Westfalen erhält unsere Vikarin den Titel Frau Pastorin und übernimmt ab 1968 die durch den Tod des Pastors Degener freigewordene Pfarrstelle in Herlinghausen.
Festliche Stunden vereinen nun des öfteren die Gemeindeglieder zu Lobgesang und Dank: die Einweihung des Gemeindehauses — die Einweihung des Pfarrhauses in der Bürgermeister-Fischer-Straße und nicht zuletzt die Einweihung und Inbetriebnahme des Kindergartens am Ahornweg.
Auch Abschiede müssen hingenommen werden, Abschiede von den Pastoren Baumann und Bultmann, die unsere Gemeinde verlassen, um in anderen Orten tätig zu werden. Waren die älteren Gemeindeglieder gewohnt, daß sie ihren Pfarrer lange bei sich hatten, so muß sich die Gemeinde im letzten Quartal dieses Jahrhunderts an Fluktuation gewöhnen. Ist das eine gesunde, positive Entwicklung? Der Leser mag eine Antwort finden. Am 5. Juli 1970 wird Pastor Ernst-Hermann Schaar in das Amt als Pfarrer des Pfarrbezirks II eingeführt, und Pastor Hermann Bastert wird von der Gemeinde am 7. Mai 1972 begrüßt. Abschied nimmt die Gemeinde bereits wieder Ende 1975 von Pastor Schaar, der einem Ruf in die Nähe von Duisburg folgt.
(Das Wirken des Kirchenchores in der Gemeinde)
Jubilate - Cantate: das sind nicht nur die Namen für zwei Sonntage im Kirchenjahr, sondern das sind auch zwei Leitworte, die das Wesen oder den Sinn eines Kirchenchores darstellen, besser gesagt interpretieren: Singet dem Herrn voller Freude eure Lieder!
Es läßt sich leider nicht mehr feststellen, in welchem Jahr sich Gemeindeglieder zu einem Kirchenchor zusammenfanden, und es setzt auch den Chronisten dieser Festschrift in Erstaunen, daß im Archiv keine Notizen über einen Chor und seine Tätigkeit zu finden sind; denn es will schon etwas heißen, regelmäßig zu den Proben zu kommen, bei Wind und Wetter, bei Schnee und Eis, wenn die übrigen Gemeindeglieder einen gemütlichen Feierabend genießen.
Nach sorgfältigem Blättern im Lagerbuch der Gemeinde erscheint erstmalig unter der Eintragung vom 5. März 1926, daß in einem feierlichen Gottesdienst zur Einweihung einer neuen Glocke am Palmsonntag 1921 der Kirchenchor mitwirkte.
Wir können also - dank mündlicher Auskünfte - die Arbeit eines etablierten Kirchenchores erst ab etwa 1928-1929 verfolgen, in der Zeit, da Pastor Venghaus Gemeindepfarrer war und ein Herr Seeger Organist und Chorleiter. Mehr ist über diese Phase nicht zu erfahren. Abgelöst wurde Herr Seeger durch den Lehrer und Organisten Cotta. Der Verfasser dieser Zeilen hat Herrn Cotta nach dem letzten Kriege noch als vitalen, humorvollen alten Herrn kennengelernt. Zwei der damaligen Mitglieder gehören auch heute noch zu den treuesten Sängern. Als dann 1935 Pastor Cremer nach Warburg kam, war es für die Gemeinde ein glückhafter Umstand, daß seine Frau eine musikalische Ausbildung erfahren hatte, die sie befähigte, singefreudige Frauen der Gemeinde zu einer Singschar um sich zu sammeln und zu dirigieren, zur Freude und Erbauung der Gemeinde.
Spenden ermöglichten 1947 eine neue Orgel und damit auch die Möglichkeit, einen Berufsmusiker für Instrument und Chor anzustellen. Dieser wurde in der Person von Kantor Gottfried Heinze gefunden: Am 1. April 1946 übernahm er die Stelle als Organist und Chorleiter. Zunächst diente ein Harmonium als Instument. Sehr schnell fanden sich singefreudige Gemeindeglieder zu regelmäßigen Chorabenden zusammen und waren bald in der Lage, den Gottesdienst durch ihren Gesang zu vertiefen. Der Chor wuchs auf zeitweilig vierzig Mitglieder an. Und als mit dem 18. Mai 1947 der Tag der Orgelweihe kam, hat der Chor mit dem Hallelujah (aus dem Messias von Händel) dem Jubel und Dank der Gemeinde Ausdruck verliehen.
Größere Werke, achtstimmige Motetten (für 2 Chöre) und Chöre aus Passionen wurden neben Chorälen einstudiert, festliche Abendmusiken, auch in Nachbargemeinden, wurden einstudiert und veranstaltet. Ein besonderes Ereignis dieser Art war die Lukas-Passion von H. Schütz, die in Gemeinschaft mit dem Chor der evangelischen Gemeinde Niedermarsburg zur Aufführung gelangte. Leider war bei der Warburger Veranstaltung der Jesus-Sänger so grippekrank und heiser, daß er nicht auftreten konnte. Aber der Kantor meisterte auch diese Notlage: er sang jeweils den Jesus-Part selbst, drehte sich dann wieder a tempo zum Chor und dirigierte den folgenden Einsatz ohne jede Verzögerung — es war ein Erlebnis!
Leider schmolz der Chor im Laufe der Jahre mehr und mehr zusammen, da viele der Flüchtlinge und Vertriebenen aus Warburg abwanderten, weil diese Stadt nicht genügend Arbeitsmöglichkeiten bot. So hat unser Chor heute nur noch etwa 20 Mitglieder, die aber unverdrossen zu den Proben kommen. Und wenn nach dem Singen im Gottesdienst der Kantor zufrieden oder sogar erfreut nickt und später die Gemeinde bestätigt, daß das Singen Freude gemacht hat, ist auch jeder Sänger glücklich, das Seine entsprechend seinem Können beigetragen zu haben — zum Lobe des Herrn.
Cantate: Singet dem Herrn.
Im Jahre 1899 wandte sich die damalige Kaiserin Auguste Viktoria an die evangelischen Frauen mit der herzlichen Bitte, einzuladen und mitzuhelfen, daß wir unserem Volke die Segnungen des Evangeliums in stets reicherem Maße zuwenden und erhalten. Die Gründungsversammlung fand im Berliner Schloß statt. Matthäus 25,40: Was ihr getan habt ... wurde das Leitwort. Überall in den Kirchengemeinden entstanden nun Frauenhilfen. Die Westfälische Frauenhilfe wurde 1906, die in Warburg 1907 gegründet.
Zwei Schwerpunkte zeichneten sich von Anfang an ab: Bildungsarbeit auf der Grundlage des Evangeliums in Kursen, Schulen und bei den Gruppenzusammenkünften. Soziale Arbeit in Mütterheimen, Kinderheilstätten, Altenheimen und bei Menschen am Rande in den Gemeinden. Ausbildung von Helferinnen in der Krankenpflege und Gründung von Schwesternschaften kamen hinzu.
Im ersten Weltkrieg setzte sich die Frauenhilfe besonders ein beim Sammeln von Lebensmitteln, beim Herstellen und Verteilen von Kleidungsstücken, bei der Fürsorge für Arbeiterinnen und alleinstehende Familienmütter. In der Zeit der Verfolgung durch den Nationalsozialismus kam es dennoch zu einem stetigen Wachstum der Kreise und sogar zu Neugründungen. 1939 zählte man in Deutschland 40 000 Bezirksfrauen. Schwerpunkt waren die Sammlungen und das Gespräch um die Bibel. In der Zeit des Wiederaufbaues wurde die Erhaltung und Entwicklung der Frauenhilfe wie ein Wunder erlebt. Die Mitarbeiterinnen aus den drei westlichen Besatzungszonen mußten schwarz über die Grenze gehen, um die Zentrale in Potsdam zu erreichen. 1949 kam es zu dem Beschluß, den politischen Verhältnissen entsprechend den Namen Reichsfrauenhilfe umzuwandeln in Evangelische Frauenhilfe in Deutschland e. V.. Die Zentrale des Westens entstand in Münster, die des Ostens blieb in Potsdam. Patenschaften und enge Arbeitsverbindungen zwischen den 14 westlichen und den 9 östlichen Verbänden sind bis heute lebendig.
Die Entwicklung in der Bundesrepublik führte zu wachsenden Kontakten mit den katholischen Frauengruppen und zu verstärkter Zusammenarbeit mit den Frauen der Welt. Seit mehreren Jahren begehen wir auch in Warburg den Weltgebetstag der Frauen mit unseren katholischen Mitschwestern.
Neue Formen der diakonischen Arbeit entwickelten sich, zum Beispiel in der Familienpflege und in der Mütterhilfe. Die Mütterschulung wandelte sich zur Familienbildung. Fragen der Berufstätigen und Alleinstehenden traten mehr ins Blickfeld. Die Bedeutung der dritten Lebensphase der Frau wurde erkannt.
Von Anfang an bis zum heutigen Tag geschah und geschieht die Arbeit der Frauenhilfe unter vier Gesichtspunkten: Bibelarbeit (Mission), Diakonie, Erwachsenenbildung, Gemeindeaufbau.
In Warburg haben wir zur Zeit über 150 Mitglieder, davon 44 im Abendkreis. Wir versammeln uns alle 14 Tage mittwochs um 15.30 Uhr und um 20 Uhr im Corvinushaus. Nachmittags machen wir Bibelarbeit, feiern die Altengeburtstage, geben Nachricht über Alte, Kranke und Einsame, die unserer Hilfe bedürfen. Wir nehmen teil an den Geschehnissen unserer Gemeinde und der Kirche. Im Abendkreis wird nach einer Andacht und Berichten aus der Gemeinde für die Feiern, Feste, Veranstaltungen und Basare des Jahres vorbereitet, gebastelt, beraten und gearbeitet.
Ein besonderes Anliegen sind uns die Kinder des St.-Laurentius-Heimes. Wir vermitteln Patenschaften, Pflegschaften und Vormundschaften für Kinder, um die sich niemand kümmert. Eine ganz treue Gruppe von Frauen stopft und flickt zweimal in der Woche die Wäsche und Kleidung der kranken Kinder des Heimes. Eine Gruppe jüngerer Frauen hilft in der Altentagesstätte. Wieder andere bedenken seit vielen Jahren die Familien unserer Patengemeinde in Ost-Berlin mit Besuchen, schriftlichen Kontakten und Paketen. Wir haben in Warburg 18 Bezirksfrauen, die sich bei monatlichen Besuchen während des Verteilens der Altenblätter um das Wohl und Wehe unserer alten Gemeindemitglieder kümmern. Sie führen auch zweimal im Jahr die Sammlung für das Diakonische Werk durch und besuchen dabei alle Familien der Gemeinde. In Zeiten, in denen wir keine Gemeindeschwester haben, pflegen wir unsere Kranken selber, putzen, waschen und kochen, wo wir gebraucht werden. Zu unserer Weiterbildung hören wir Vorträge unserer Frauenhilfsleitung aus Soest, besuchen Missionsvorträge und Krankenpflegekurse. Dazu laden wir auch unsere Nachbarfrauenhilfen ein. Für alle Feste und Feiern der Gemeinde liegt die Vorbereitung und Durchführung in unseren Händen. Man nennt die Frauenhilfe zu Recht den Kern der Gemeinde.
Wir würden uns freuen, wenn recht viele Frauen aus der Gemeinde zu uns kämen und laden zu all unseren Veranstaltungen herzlich ein.
Lange muß der Chronist blättern und lesen, bis ihm der Name der ersten Gemeindeschwester der Warburger Gemeinde genannt wird. Das hatte Pastor Venghaus am 31. Juli 1903 niedergeschrieben: Die erste Schwester ist Lina Freese, sie wurde von dem Superintendenten Busold vom Diakonissenhaus zu Arolsen eingeführt. Es ist anzunehmen, daß Schwester Lina sowohl die Betreuung der Kleinkinderschule als auch schwesterliche Aufgaben in der Gemeinde wahrnahm.
Erst nach dem 2. Weltkrieg, so erfahren wir aus der Chronik, am 1. Januar 1946, wird Frl. Charlotte Borcherdt für die Flüchtlingsfürsorge verpflichtet. Abgelöst wird sie am 1. 11. 1947 durch Helene Reinhold vom Evang. Hilfswerk. Dank der Hilfe und des Entgegenkommens des Diakonissenmutterhauses Sarepta wird die Diakonisse Schwester Magdalene Schlenk am 25. 6. 1951 als Gemeindeschwester zugewiesen. Schon 1957 folgt ein Wechsel durch Schwester Charlotte Goldbach, abgelöst am 1. 2. 1963 von Schwester Sigrid Schön. Ein halbes Jahr, während einer Vakanzzeit, übernimmt eine Nichte Pastor Bultmanns, vom 1. 7. 1965 bis 31. 2. 1966, die Aufgaben der Gemeindeschwester. Mit dem 1. 1. 1967 widmet sich Schwester Anneliese Naujoks der Betreuungsarbeit. Sie folgt einem Ruf in die Leitung eines Heimes, und so kann die Gemeinde dann am 1. 5. 1973 Schwester Wilhelmina Koster in ihr Amt einführen.
Mit besonderer Freude und Dankbarkeit sei noch der Lektorendienst erwähnt, den zur Zeit die Presbyter Frau Irmgard Wahrenburg und Gerhard Härtel durchführen, in dem sie sowohl in der eigenen Gemeinde als auch auf den Ortschaften Gottesdienste halten.
Einen weiteren Dienst tat die Fürsorgerin Hanna Lorleberg, die vom 2. 3. 1965 an die Betreuung der evangelischen Bevölkerung im Kreisgebiet des Altkreises Warburg übernahm. Dankbares Gedenken gilt auch der Arbeit des verstorbenen Kirchmeisters und Lehrers a. D. Martin Gürich.
Wenn ich Ihnen unter diesem Gedanken einiges aus unserer evangelischen Kirchengemeinde Warburg berichten will, fallen mir zunächst einmal unsere vielen Gemeindeausflüge ein. In alle Himmelsrichtungen sind wir im Laufe der Jahre viele tausend Kilometer gefahren und haben unsere nähere und weitere Heimat kennen und lieben gelernt. Und dann fällt mir ganz spontan auch das Lied von Paul Gerhardt ein: Geh aus, mein Herz, und suche Freud'. Ich kann mich an keinen Ausflug erinnern, an dem wir es nicht von ganzem Herzen fröhlich, mit möglichst vielen Strophen, gesungen haben. In wieviel Kirchen, Kapellen und Dome sind wir unterwegs eingekehrt und haben unsere Andachten gehalten und sind dann dankbar und glücklich über all das Schöne, was wir sehen und erleben durften, weiter gefahren. Wir haben Freude gesucht und gefunden an unseres Gottes Gaben, in unserer Gemeinschaft. Wir sind bei strahlendem Sonnenschein durch das Hessenland gefahren, wir haben bei strömendem Regen mit aufgespannten Schirmen im undichten Autobus gesessen, wir haben im dichten Nebel im Harz auf den Bergen gestanden. Wir sind bei Blitz und Donner des nachts im Autobus an der Weser entlang gefahren, und immer haben wir laut und fröhlich gesungen und uns gefreut über unser Beisammensein.
In bester Erinnerung haben wir auch die verschiedensten Freizeiten, die wir im Laufe der Jahre verlebten. Wie schön und unvergeßlich sind unsere Wanderungen durch die Ramsau und die Schweiz! Wie dankbar haben wir die Schönheiten des Salzburger Landes, der Berge und Seen dort genossen. Was haben wir übermütig gesungen und gelacht. Aber nicht nur bei Ausflügen und Reisen, sondern noch viel häufiger haben wir uns als fröhliche Gemeinde bei vielen Feiern und Festen in unserem Corvinushaus getroffen. Ich denke da an unsere vielen Missionsfeste, an Alten- und Adventfeiern, an Jubiläen verschiedenster Art, an all die vielen Gäste von nah und fern, die dann immer bei uns weilten. Es wäre sicher interessant zu wissen, wieviel Liter Kaffee und wieviel Quadratmeter Kuchen wir dabei schon ausgeteilt haben. Wie fröhlich ist es selbst bei den mühsamen Vorbereitungen für diese Feste zugegangen. Dankbar denken wir dabei an all die Frauen, die uns immer wieder so selbstverständlich geholfen haben, viele Jahre und Jahrzehnte lang, und die zum Teil nun nicht mehr unter uns weilen.
Von Herzen wünschen wir uns, daß möglichst alle Mitglieder unserer Warburger evangelischen Kirchengemeinde sich weiterhin immer wieder zusammenfinden bei Festen, Feiern, Ausflügen und Reisen, vor allem aber bei Gottesdiensten und im Gebet als eine fröhliche Gemeinde Gottes.
Kaum ein Gebäude der Stadt Warburg ist so geschichtsträchtig wie das Corvinushaus, der Treffpunkt der evangelischen Kirchengemeinde. Vielen älteren Bürgern unserer Stadt noch als Romhof bekannt, war es einmal im 15. Jahrhundert ehrwürdiges Patrizierhaus — es soll einer Warburger Familie Romen als Wohnsitz gedient haben. Später war es Sitz einer Bruderschaft, dem Warburger Kaland. Um 1750 kaufte es der Vikar der Warburger Neustadt. 1804 erwarb es die preußische Regierung, es wurde königliches Justizamt, 1818 königliches Hauptzollamt. Am 19. April 1833 schenkte es der König der Stadt Warburg zur Einrichtung eines Krankenhauses. Seit 1844 wirkten darin recht segensreich die Barmherzigen Schwestern vom Mutterhaus Paderborn, bis sie 1926 in das neue Krankenhaus einziehen konnten. 1927 wurde das alte Krankenhaus zu Wohnungen umgebaut und beherbergte den Direktor des Gymnasiums. In der Nazizeit wiederum war es Wohnung des Bürgermeisters, und von 1946 an wieder Wohnraum des Gymnasialdirektors.
1958 kam es im Tausch für die alten Rechte am alten Klostergebäude in den Besitz unserer Kirchengemeinde. Ein gründlicher Umbau ließ aus dem alten Gebäude ein echtes Schmuckstück für Gemeinde und Stadt werden. Nicht nur der herrliche Fachwerkbau sondern auch die so liebevoll gepflegten Anlagen ringsherum erfreuen den Besucher und danken den fleißigen Händen des Küsterehepaares Blümel.
Heute nun beherbergt dieses stolze Haus unseren Pfarrer, den Küster, das Gemeindeamt, die Bücherei, und nicht zuletzt ist es Begegnungsstätte geworden für Jung und Alt, für Groß und Klein, erschallen darin Lobgesänge zur Ehre Gottes.
Mögen sich noch lange Jahrzehnte Menschen darin zusammenfinden und Gott loben und preisen und möge es der nachwachsenden Generation Verpflichtung sein!
Abschließend sei aber noch die Frage nach dem Namen beantwortet. Corvinus war ein Mitreformer Martin Luthers, geboren am 27. Februar 1501 in Warburg.
Hatte schon einmal die Gemeinde die segensreiche Einrichtung eines Kindergartens erfahren dürfen, die 1903 eingerichtete Kleinkinderschule, so mußten Eltern und Kirchenleitung ein halbes Jahrhundert warten, bis es wieder möglich wurde, eine moderne Erziehungsstätte für das Vorschulkind zu schaffen. 1917 mußte die im alten Klostergebäude befindliche Kleinkinderschule aus Ernährungsschwierigkeiten geschlossen werden. Vereinzelt fanden zwar Kinder Aufnahme in einigen wenigen katholischen Kinderhorten. In verstärktem Maße konnten dann unsere Jüngsten in den 40er und 50er Jahren mit den Kleinen der beiden katholischen Kirchengemeinden in 4 Kindergärten in Alt- und Neustadt bewahrt und geführt werden. Jedoch die berufliche Betätigung der Frau und Mutter außerhalb des Hauses ließ die Errichtung eines weiteren evangelischen Kindergartens zwingend erscheinen.
Die Gemeinde erwarb nördlich des Waldbades zwischen Ahorn- und Birkenweg ein 3500 qm großes Grundstück und konnte mit Freude und Dankbarkeit am 1. 11. 1967 das Haus für unsere Kleinsten einweihen. Es umfaßt zwei Kindergartenzimmer, zwei Horträume, ein Gymnastikraum und zwei Spiel- und Bastelräume. In diesen Räumen tummeln sich bis zu 80 Kinder und werden von vier Kindergärtnerinnen und Helferinnen betreut. In der Kindertagesstätte können Kinder auch ganztägig aufgenommen, betreut und verpflegt werden.
Für die Chronik mag es von Interesse sein, daß die Gesamtkosten für Grunderwerb, Baukosten und Einrichtung bei 550 000,- DM lagen. Die Finanzierung erfolgte durch Zuschüsse von Land, Landeskirche, Landkreis und Stadt Warburg. Neben den Betreuungsräumen ist noch eine abgeschlossene Dienstwohnung vorhanden.
Wollen wir hoffen, daß auch weitere Generationen in Frieden und mit viel kindlicher Freude darin herangebildet werden können.
Die ersten Anfänge unserer Gemeindebücherei waren vor ca. 30 Jahren einige geschenkte, zusammengetragene, man möchte sagen, gesammelte Werke. Unsere damaligen Gemeindeschwestern haben diese Bücher an Lesehungrige ausgeliehen, die in und nach dem Kriege ihre Bücher durch Kriegseinwirkungen verloren hatten. Es dauerte jedoch gar nicht lange, bis sich aus dieser Buchausleihe unsere Gemeindebücherei, die heute einen Buchbestand von über 2000 Bänden in einem eigenen Raum mit festen Ausleihseiten hat, entwickelte. Dem Alter unserer Leser ist nach oben und unten keine Grenze gesetzt. Bei uns gibt es vom ersten bunten Bilderbuch bis zu Büchern der verschiedensten Schriftsteller, mit Großdruck, für jede Altersstufe etwas. Wir haben Bilderbücher, Märchenbücher, Jugendbücher, Geschichten, Romane, Krimis und Sachbücher der unterschiedlichsten Bereiche. Die eifrigsten Leser sind immer unsere Konfirmanden.
Es ist interessant, zu beobachten, wieviel Bücher ein junger Mensch in diesem Alter lesen kann, wie scheinbar wahllos dieser Lesehunger zunächst gestillt wird, und wie sich im Laufe der Jahre bei jedem dann eine besondere Richtung entwickelt, sich Lieblingsschriftsteller herauskristallisieren. Viele dieser Jugendlichen bleiben auch nach ihrer Konfirmation treue Leser unserer Bücherei. Jährlich werden, je nach Finanzlage der Gemeinde, neue Bücher hinzugekauft, und wir versuchen, soweit es uns möglich ist, stets auf dem Laufenden zu sein mit Neuerscheinungen, modernen Schriftstellern, Bestsellern und Werken der Weltliteratur.
Wenn am Schluß dieser Festschrift noch über die Schule zu berichten ist, so soll das keine Hintanstellung sein. Der Chronist möchte nur festhalten, was einmal war.
Die Schulstube befindet sich in der dritten Etage des östlichen Flügels des ehemaligen Dominikanerklosters, so lautet aus dem Jahre 1826 die Eintragung im Lagerbuch. Erster Cantor und Lehrer war ein H. Pohlmann, der im alten Klostergebäude auch Wohnung fand. Mit Gründung der evangelischen Kirchengemeinde begann auch der Schulunterricht in einer Klasse. Sein Gehalt bezog der Lehrer von der Gemeinde. Eine jährliche Gehaltszulage zahlte der Domherr von Spiegel, die er dann 1854 aufkündigte. Im Jahre 1876 wird ein Lehrer namens Carl Wilhelm Ferdinand Wolf genannt. 1882 wurde eine 2. Schulklasse eingerichtet. Am 1. März 1892 wird der Cantor und Lehrer, Küster und Organist Adalbert Klaas in sein Amt eingeführt. Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Minden hat die Stadt Warburg die Kosten für Schule und Lehrer zu übernehmen und für die evangelischen Kinder eine evangelische Volksschule einzurichten. Sie habe für das Schullokal eine Miethe von 100 Mark und für die Lehrerwohnung eine Miethe von 50 Mark jährlich an die Kirchenkasse zu zahlen. 1902 werden die Lehrer Schmidt und Schäfer genannt.
Die Stadt wurde durch die königliche Regierung zum Bau einer ev. Volksschule veranlaßt und als sie sich beharrlich weigerte, dazu gezwungen. Die Schule wurde mit einer staatlichen Beihilfe im Betrage von 10 000 Mark, einfach, als Schule mit drei Klassenzimmern gebaut. Sie steht links an der Straße, die nach Menne führt. Der Bau in seiner gedrückten Gestalt entspricht genau dem mangelnden Wohlwollen und geringen Verständnis, das die Stadt ihm entgegenbrachte. Die Schule wurde am 3. November 1904 feierlich ihrem Zweck übergeben.
So berichtet die Chronik am 21. Juni 1906. Die Schule zählt zu jener Zeit etwa 150 Kinder, und eine dritte Lehrkraft wurde angestellt. Der 1. Lehrer der Schule hatte immer die Verpflichtung, bei Beerdigungen auf den beiden Friedhöfen in Warburg die Leiche an der Seite der Geistlichen zu begleiten. Diese Verpflichtung wurde dann 1912 aufgehoben. Und nun berichtet die Chronik nicht mehr über die Schule. In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg waren die Lehrerin Else Wiegand und die Lehrer Bulmahn und Wulfhorst an ihr tätig.
Nach dem Kriege platzte die Schule aus ihren Nähten, der Flüchtlingsstrom brachte so viele evangelische Kinder nach Warburg, daß 1954 die alte Schule einem Neubau weichen mußte. Im Februar 1956 konnte eine moderne Schule mit 8 Klassenräumen ihrer Bestimmung übergeben werden. Nach segensreicher Arbeit schloß sie ihre Pforten 1969. Seit dem 1. August desselben Jahres unterrichtet sie als Gemeinschaftsgrundschule Kinder aller Konfessionen.